Vollständige Kleidungsstücke aus antiker Zeit finden sich nur in den ehemaligen Mooren Nordeuropas, wo ideale Erhaltungsbedingungen für organische Materialien gegeben waren. Aus dem römischen Imperium kennen wir nennenswerte Reste vor allem aus dem trockenen Ägypten und Israel. Darüber hinaus gibt es bildliche Abbildungen auf Grabsteinen und Triumphbauwerken wie der Trajanssäule, sowie schriftliche Berichte zeitgenössischer Autoren. Folgende Kleidungsstücke wurden rekonstruiert:
Das Halstuch (Focale) Zeitgenössische Abbildungen römischer Soldaten zeigen stets das Halstuch, das im praktischen Gebrauch den Halsbereich vor dem Scheuern von Rüstung oder Helmriemen schützt. Eventuell konnten militärische Einheiten anhand der Farbe der Halstücher unterschieden werden. Reliefs zeigen zum Teil sehr lange Halstücher.Das Oberhemd (Tunika) Die Tunika war das "Allzweck"-Kleidungsstück und konnte aus verschiedenen Materialien und Stoffstärken hergestellt sein. Bunte Farben sind ebenso belegt wie Kontraststreifen und andere Verzierungen. Es gibt ärmellose Tuniken und solche mit angesetzten Ärmeln. Die Längen variieren je nachdem, ob eine Hose darunter getragen wurde oder nicht. Die Hose (Feminalia) Oft als "unrömisch" und "weibisch" verschriehen, erfreuten sich die Hosen, die bei den Kelten "Brakes" genannt wurden, in unseren nordischen Breiten auch bald bei den Legionären einer zunehmenden Beliebtheit. Für Hilfstruppen und Reiter, die sich ausschließlich aus den Reihen der "Barbaren" rekrutierten, gehörte das Beinkleid ohnehin zum alltäglichen Kleidungsstück. Die Feminalia konnten aus Stoff oder Leder bestehen. Bei meiner Rekonstruktion habe ich auf Leder zurückgegriffen, das mit einem Innenfutter versehen wurde. Ohne dieses Innenfutter klebt die Hose bald auf der Haut und behindert die Bewegung nicht nur beim Reiten. Entsprechend den zeitgenössischen Abbildungen wurde die Hose 3/4 lang angefertigt. Es gibt den Moorfund einer langen Hose aus dem freien Germanien, die sogar angenähte Füßlinge besitzt. Damit hat man gleichzeitig Socken und verhindert, dass die Hose hochrutschen und Falten schlagen kann. Gürtel (cingulum) Aus Reiterkastellen sind einige Zierplatten bekannt, die zu Militärgürteln gehören. Als Statussymbol waren diese prunkvollen Gürtel in frühen Zeiten zur Aufhängung von Schwert und Dolch verwendet worden. Da der Dolch (Pugio) nicht zur Standardausstattung der Reiterei gehörte und das Schwert bald am Schulterriemen getragen wurde, erfüllte ein Cingulum bald keinen funktionellen Zweck mehr. Ob die Reiter ganz ohne Gürtel ausgekommen sind (wie es Bilder auf der Trajanssäule suggerieren) oder auch einfache organische Riemen Verwendung fanden, bleibt offen. Da auf den meisten Reitergrabsteinen Gürtel zu erkennen sind, habe ich mich auch für eine Variante MIT Cingulum entscheiden. Selbst beim Tragen des Schwertes am Schultergurt hat der Leibriemen die Funktion, das Schwert am Körper an seiner Position zu halten. Gerade beim ruppigen Trab des Pferdes ist das sehr hilfreich. Mantel (Paenula / Sagum) Es gibt zwei grundlegende Arten von Mänteln. Die Paenula, meist vertreten auf den Grabsteinen römischer Soldaten des 1. Jahrhunderts, ist ein halbkreisförmig geschnittener Mantel ohne Ärmel, der mit Schlaufen vor der Brust geschlossen wurde oder dort zusammengenäht war. Eine Kapuze war in fast allen Fällen angenäht. Von der republikanischen Zeit an in Gebrauch, scheint die Paenula eher für eine zivile Verwendung gestanden zu haben. Der Mantel, der wie eine Glocke über den Körper fällt, hält zwar schön warm, ist aber beim Kämpfen hinderlich. Eine kurze Variante, der Cucullus war vor allem bei der einheimischen Bevölkerung in der Provinz beliebt und ist wohl eine keltische Erfindung. Für Soldaten scheint das Sagum die übliche Form des Mantels gewesen zu sein, die „saga militaria“. Diese bestanden aus einem rechteckigen Stück Stoff, das mit Hilfe einer Fibel über der rechten Schulter geschlossen wurde.Wadenwickel / Socken (tibialia) Hinweise auf Socken finden sich in schriftlichen Zeugnissen aus Vindolanda und auf Bild-Reliefs. Einfache Wadenwickel sind archäologisch nicht belegt, aber aus klimatischen Bedingungen anzunehmen. Beim Reiten mit den halblangen Hosen kühlen im Winter die Waden recht schnell aus.Schuhe (Caligae / Calcei) Es ist nicht genau zu belegen, wann die Caligae, die Schnürsandalen, bei Militär Einzug gehalten haben, spätestens jedoch zu Beginn der Kaiserzeit. Im Gegensatz zu vielen Rekonstruktionszeichnungen scheinen die Caligae jedoch nicht weit bis in 2. Jahrhundert hinein verwendet worden zu sein. In Vindolanda, wo sich viele Lederreste erhalten haben, erscheint kein einziges Fragment einer Caliga. Im 2. Jahrhundert findet ein geschlossener Typ von Stiefel Einzug, zum Teil vereinfachte Schnürschuhe, zum Teil modern anmutende „Calcei“. Ein Unterschied zwischen Herren- und Damenschuhen findet sich in vielen Fällen nur anhand der Größe. Reiterschuhe zeichnen sich zudem mit der Aufnahmemöglichkeit von Sporen aus. |