Die Rüstung

Das römische Militär kennt im wesentlichen drei Arten von Panzerung::

Einen Schienenpanzer, der aus gebogenen Platten aus Eisenblech bestand (Lorica Segmentata, links), das Kettenhemd (Lorica Hamata, mitte) und den Schuppenpanzer (Lorica Squamata / Plumata, rechts).

Während der Schienenpanzer bei der Reiterei keine nennenswerte Rolle gespielt hat,  scheint das Kettenhemd wohl in den meisten Fällen den Vorzug vor dem Schuppenpanzer erhalten zu haben. Obwohl die Herstellung sehr viel aufwändiger war (je nach Größe wurden zwischen 30.000 und 100.000 Ringe verwendet, von denen in vielen Fällen die Hälfte vernietet wurde), sind bei vielen Reiterdarstellungen (z.B. auf Grabsteinen und der Trajanssäule) Kettenhemden zu sehen. Sie haben zudem den Vorteil, sich zu kleinen, transportablen Haufen zusammenrollen zu lassen und sind von der Schutzwirkung sicherlich zu bevorzugen. Auch der Tragekomfort ist angenehm.

Die Rekonstruktion meines Kettenhemdes wiegt ca. 10kg und wurde nach den Abbildungen auf der Trajanssäule mit einem gezackten unteren Abschluss versehen. Auf die in der frühen Kaiserzeit üblichen Schulterklappen habe ich verzichtet, da diese ab dem späten 1. Jahrhundert offensichtlich nicht mehr üblich waren. Die dadurch bedingte leichtere Verwundbarkeit im Halsbereich wird teilweise durch das Halstuch (focale) ausgeglichen.

Als neues Projekt habe ich die Rekonstruktion eines Schuppenpanzers in Angriff genommen. Die Plättchen wurden nach Fundstücken aus Vindolanda hergestellt und werden in originalgetreuen Techniken miteinander verbunden. Schuppenpanzer sehen besser aus und waren wohl vor allem der prestigeträchtigen Reiterei sowie Offizieren der Fußtruppen wie Zenturionen oder Feldzeichenträgern vorbehalten. 

Unabdingbar ist die Verwendung eines gepolsterten Untergewandes, auf dem die Schuppen aufgenäht werden. Diese Subarmalis oder Thoracomachus konnte auch bei Kettenhemden den Tragekomfort und die Schutzwirkung wesentlich erhöhen. Direkte archäologische Fundstücke gibt es hierzu keine, allerdings einige Schriftquellen und Indizien auf Reliefs. 

Hinweise liefern die sogenannten Pteryges, Stoff- oder Lederstreifen, die am Ärmel und dem unteren Saum eines Untergewandes angenäht waren, um auf dekorative Art die Schutzwirkung zu erhöhen. Diese Pteryges sind auf zahlreichen Reiterdarstellungen zu erkennen. Links die Umzeichnung eines Grabreliefs aus Carnuntum, auf dem ein Schuppenpanzer abgebildet ist - ohne Schulteraufdopplung.
Der Nachteil des Schuppenpanzers liegt auch darin, dass er sich nicht wie das Kettenhemd der Körperform anpasst oder zusammenfalten lässt. 

Er muss sich also mit einem System von Schnallen öffnen lassen und auch im Halsbereich weit genug sein. Die frühen Abbildungen zeigen wie bei den Kettenhemden aufgedoppelte Schulterklappen, die spätestens im Laufe des 2. Jahrhunderts verschwinden. Um den Halsbereich möglichst klein zu halten, werden ab dem späten 2. Jahrhundert prunkvolle Verschlussbleche verwendet. Bei meiner Rekonstruktion werden daher die Schulterklappen wie auf dem Relief oben weg gelassen und der Halsbereich mit einer leicht verzierten Militärschnalle geschlossen. Diese Schnallen finden sich in großer Zahl im Fundbestand der Kastelle und werden im Normalfall den Schienenpanzern zugeschrieben. Es gibt zwar keinen Beleg, aber ich halte den Riemenverschluss für eine sinnvolle Lösung für die archäologisch dunkle Übergangszeit zwischen 100 und 120  n. Chr. zwischen Schulterklappen und Schließblech.