SattelDie Herstellung eines Sattels ist die Aufgabe eines Fachhandwerkers. Neben der Berücksichtigung der schlechten Fundlage und den Abbildungen von Originalstücken auf Denkmälern muss eben auch die Funktionalität gewährleistet sein. Der gute, bequeme und zweckmäßige Sitz des Reiters ist ein Punkt, der berücksichtigt werden muss, aber auch die Passgenauigkeit auf dem Pferderücken, die Polsterung, die gleichmäßige Belastung der Rückenmuskulatur des Pferdes bei gleichzeitiger Entlastung der Wirbelsäule und vieles mehr. Sollte ein Sattel also nachgebaut werden, so ist dies als Experiment anzusehen. In jedem Fall ist die Arbeit eines Experten als solche erkennbar. Die wertvollen Erkenntnisse von Marcus Junkelmann sind dabei sehr hoch zu bewerten. Die Ansätze sind dabei höchst unterschiedlich. Das Spektrum der Rekonstruktionen reicht dabei von einfachen, mittelalterlich anmutenden Holzkonstruktionen, die mit Leder überzogen wurden über "moderne" High-Tech-Sättel mit Hörnchen bis hin zu Kissensätteln, die ganz ohne Verstrebungen aus Metall auskommen und damit archäologisch wohl den Originalen am nächsten kommen. Dieser flexible Satteltypus ermöglicht auch die Verwendung auf unterschiedlich gebauten Pferden, was ein ganz wichtiger Punkt ist: die Gebrauchspferde der Antike wurden früh eingeritten und waren auch früh "verschlissen", wurden also oft ausgetauscht. Ein starrer, individuell festgelegter Sattel wäre also hier unangemessen. Durch Zufall bin ich auf ein leicht gebrauchtes Exemplar der Sattlerei Eichert gestoßen, das seitdem von mir verwendet wird. Leider war ich zum Zeitpunkt der Dreharbeiten noch nicht im Besitz des guten Stückes, weshalb die Aufnahmen einen modernen Sattel zeigen. Dieser wurde ohne Steigbügel geritten, wie dies auch bei den originalen Hörnchensätteln der Fall war. Weder im archäologischen Fundbestand noch auf den Reitergrabsteinen sind Steigbügel aufzufinden. Das Aufsteigen in voller Rüstung jedoch gestaltet sich ohne Hilfe etwas schwierig, ist aber machbar. Antike Autoren wie Arrian heben hervor, dass trainierte Reiter mit Ausrüstung auf ein im leichten Galopp laufendes Pferd aufspringen konnten. Allerdings ist auch nicht auszuschließen, dass man es sich auch in der Antike bereits einfach gemacht hat und Lederschlaufen als Aufstiegshilfen Verwendung fanden. An den Seiten des Sattels befinden sich mehrere Lederschnüre, die zum Befestigen diverser Ausrüstungsgegenstände wie Schild, Speerköcher, Wasserflasche, Brotsack oder sonstigem Reisegepäck geeignet sind. Im archäologischen Fundbestand befinden sich auch prunkvolle Zierbleche, die wohl zur Paradeausrüstung zählen und zur Verzierung ebenfalls an den Schnüren befestigt werden können.
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